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Erzähltheater / Anne-Frank-Grundschule Freiburg

Erzähltheater

Unser Erzähltheater

Die Ausgangslage
Wie – so war die Ausgangsfrage – lässt sich die Sprachkompetenz aller Kinder erhöhen?
Als wir in der Schule über diese Frage nachdachten, erfuhren wir vom Berliner Projekt „Sprachlos“ um Prof. Wardetzky. Die Idee war, die überaus positiven Erfahrungen aus diesem Projekt auf die Anne-Frank-Grundschule zu übertragen.

Der Ansatz
In einer wöchentlichen Unterrichtsstunde werden Kindern der ersten Klasse Märchen erzählt (nicht vorgelesen). Diese Erzählungen finden in sprachlich nicht vereinfachter Form statt, werden allerdings mit Mitteln des Erzähltheaters unterstützt. Die Kinder hören dabei nicht nur zu, ihre Bemerkungen, Fragen, Zwischenrufe werden aufgegriffen und spontan in die Erzählung mit einbezogen.
Umsetzung im Schuljahr 2009/2010
Als professionelle Erzählerin konnte mit Frau Hübsch eine Schauspielerin gewonnen werden, die bereits über Erfahrungen auf diesem Gebiet verfügte. In der Freiburger Schulprojektwerkstatt wiederum wurde ein kompetenter Partner gefunden, mit dessen Hilfe die Umsetzung gelang.
Im Schuljahr 2009/2011 startete das Projekt für die beiden Klassen 1a und 1b. Sie erhielten wöchentlich eine Stunde zusätzlichen Unterricht, in welcher Frau Hübsch wie vereinbart – Märchen – auch aus den Herkunftsländern der Kinder – erzählte.

Unsere Erfahrungen
Lassen wir Nikola Hübsch, die Erzählerin selbst zu Wort kommen: Am 13.03.2010 haben 20 von 36 Erzählstunden stattgefunden. Bei jeder Stunde sind neue Erfolge sichtbar. Ich erlebe, dass Kinder, die anfangs gar nicht dabei waren und innerlich "abdrifteten" nun schon mehr als 5 Minuten zuhören können. Die Konzentrationsphase auch der zuhörschwächsten Kinder ist eindeutig länger geworden. Die Kinder "tauen" auf, erzählen auch schon mal von sich aus kleine Sequenzen aus ihrer Alltagswelt oder ihrem Umfeld. Sie setzen sich fragend mit dem Erzählten auseinander. Dabei werden sowohl Verständnisfragen gestellt, als auch Fragen, die aus der eigenen Gefühlswelt kommen. Es gibt durchaus auch kritische Auseinandersetzung mit dem Erzählten, vor allem, wenn es um soziale und mitmenschliche Belange geht. Zum Teil werden erstaunlich detaillierte Fragen gestellt. Sehr eindrücklich ist die emotionale Beteiligung. Und durchaus sichtbar das Mitleben in dramatischen Momenten. Besonders erfreulich ist die nicht nachlassende Neugier auf neue Geschichten, obwohl die Erzählstunde selbst ja schon Routine geworden ist. Ich erlebe die Kinder sehr offen, vertrauensvoll und neugierig. Die Lust, sich mitzuteilen hat eindeutig zugenommen und ist ein erster und wichtiger Schritt für den Erwerb von Sprach- und Erzählkompetenz...
... Es gibt jedoch in beiden Klassen Kinder, denen das Zuhören nach wie vor große Mühe bereitet und Kinder, die wenig von dem Erzählten erfassen. Hier wäre es wünschenswert, dass in Einzelgesprächen Verständnisfragen geklärt werden oder die Kinder durch eigenes Nacherzählen mehr in den Erzählprozess eingeführt werden. Bei diesen Kindern wäre gezielte persönliche Zuwendung gerade am Anfang des Erzählprojektes wichtig...“

Weiterführung im Schuljahr 2010/2011
Alle Erstklässler erhalten wöchentlich die Erzählstunde. Die gewünschte Betreuung von Kindern mit Sprachschwierigkeiten wird – wo immer möglich – umgesetzt.
Sechs Lehrkräfte der Schule werden von der Erzählerin im Erzählen ausgebildet. Die Erzählerin selbst „bedient“ die Erstklässler, die „Auszubildenden“ üben sich in den zweiten Klassen. Sie erzählen ihre Märchen und Geschichten im Unterricht der zweiten Klassen. Dort wird das Thema aufgenommen und – von den Lehrkräften der Klasse – unterrichtlich kreativ aufgearbeitet.

Weiterführung im Schuljahr 2011/2012
Es bleibt dabei: alle Erstklässler erhalten wöchentlich eine Erzählstunde. Die ausgebildeten Kolleg/innen der Schule erzählen den Kindern der zweiten Klassen 14-tägig eine Geschichte. Diese wird im Unterricht weiter bearbeitet: Bilder und Bildergeschichten entstehen dazu, ein Musikstück wird erstellt, eine Figur aus der Geschichte gebastelt, das Thema im Deutschunterricht aufgegriffen... Neu: das Projekt wird in den dritten Klassen weiter geführt: im Deutschunterricht wird 14-tägig systematisch daran gearbeitet, eigene Geschichten zu erfinden, und diese spannend zu erzählen. Die Erzählkompetenz der Kinder wird so systematisch weiter entwickelt. Dabei wirkt Frau Hübsch, die professionelle Erzählerin wieder in den Klassen mit. Die beteiligten Kolleg/innen werden nach dem Prinzip: "Training in Job" fortgebildet. Schulinterne Fortbildungen ergänzen die Arbeit mit den Kindern.

Weiterführung im Schuljahr 2012/2013 
Die Erzählstunde in den ersten Klassen - durch professionelle Erzählerinnen - bleibt, ebenso das Verfahren in den zweiten und dritten Klassen. Erstmals werden nun auch die Viertklässler einbezogen. Ihr Erzählkompetenz wird - zusammen von Klassenlehrer/in und professioneller Kraft - weiter entwickelt, so dass mit Ende des Schuljahres erstmals das Projekt alle vier Klassenstufen durchlaufen haben wird. Die Ergebnisse des vierjährigen Projektes werden kritisch reflektiert und wir überlgen, was davon und wie  in das Schulcurriculum aufgenommen werden kann.

Weiterführung ab dem Schuljahr 2013/2014
Die Erzählstunde in den ersten Klassen - durch professionelle Erzählerinnen - bleibt, ebenso das Verfahren in den zweiten Klassen. In den dritten und vierten Klassen entscheiden die Klassenlehrer/innen, ob diese Einheiten in Anspruch genommen werden oder nicht.

Die Unterstützung
Das Projekt wird derzeit finanziell unterstützt durch:

  • die Stadt Freiburg, Amt für Schule und Bildung

Das Projekt wurde in den ersten vier Jahren finanziell unterstützt durch:

  • die Stadt Freiburg, Kooperationsfonds
  • die Bürgerstiftung Freiburg
  • die Bueb-Stiftung
  • die Freiburger Schulprojektwerkstatt
  • die Sparkassenstiftung
  • der Chelius-Stiftung
  • den Förderverein der Schule

Wir danken den Stiftern ausdrücklich, ohne deren Zuwendungen das Projekt nicht durchführbar wäre!